Besuchtes Land: Italien
Datum: September 2025
Geschrieben von: Sandra Boos
Fortbewegungsmittel: Zug und Auto
Mit Hund und Zug nach Süditalien
Reggio Emilia
Auf unserem Weg nach Apulien & Amalfi fahren wir von Thun mit einem 3 stündigen Stop in Milano mit dem Zug „Frecciarossa“ nach Reggio Emilia. Nördlich der Toskana in der Region Emilia-Romagna, bleiben wir 2 Nächte um erst mal anzukommen in Bella Italia. Reggio Emilia ist bekannt als die Stadt der Trikolore (Città del Tricolore), weil hier die Nationalflagge Italiens entstand. Ebenfalls ist die schöne Stadt für Parmesankäse, Lambrusco sowie das Konzept der frühkindlichen Bildung bekannt. Gümpi (mein Hund 😊) und ich schlendern durch das historische Zentrum, das geprägt ist von einer Mischung aus spätmittelalterlichen Palästen und Gebäuden aus der Renaissance. Hier trifft man sich an der Ecke in der „Bar“ zu einen Caffè und einen Schwatz oder im Parco del Popolo zum Glücksspiel auf der Parkbank. Immer wieder kommen wir im „centro storico“ an einen grosszügigen Platz, an dem soziale Aktivitäten stattfinden oder auf kleine Märkte an denen selbstgemachte Köstlichkeiten angeboten werden. In den unzähligen, kleinen Gassen gibt es authentische Boutiquen mit italienischer Mode, süsse Kaffees und Restaurants. Wir finden Reggio Emilia ist kulinarisch, kulturell und ihrer Schönheit wegen eine Reise wert. Morgen geht es weiter, gemütlich im Zug der Adria entlang, nach Termoli in der Region Molise.
Termoli
Endlich am Meer! Mit einer Stunde Verspätung erreichen wir Termoli an der Adriatischen Küste. Die Geschichte des Küstenstädtchens reicht bis in die Antike zurück. Zu entdecken gilt das „centro storico“ mit vielen verwinkelten Gässchen und einem Geheimgang der nur etwas 50 Zentimeter breit ist. Das Wahrzeichen der Stadt ist ein mächtiges Kastell aus dem 13. Jahrhundert. Momentan sogar mit einer schönen Kunstgalerie, in der einheimische Künstler ihre Werke ausstellen. Schade bin ich mit dem Zug unterwegs, ich habe ein wunderschönes Bild entdeckt….
Eindrücklich ist die schöne Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert, welche wahrlich gen Himmel strebt. Unsere Unterkunft ist nur 50 Meter von der Kathedrale im historischen Zentrum entfernt. Irgendwie spürt man die Geschichten, die hinter diesen Gemäuern stecken. Termoli strahlt unheimlich viel Stolz aus, was die Unfreundlichkeit der hier lebenden Molisaner widerspiegelt. Trotzdem würde ich gerne, nur für einen kurzen Moment, eintauchen in die Zeit der Entstehung dieser geheimnisvollen Stadt. Nach nicht mal 24 Stunden fahren wir weiter Richtung Süden nach Polignano a Mare im schönen Apulien.
Polignano a Mare, Ostuni & Cisternino
Unser Apartment im Zentrum von Polignano a Mare liegt direkt am Meer. Hier bleiben wir 5 Nächte um Apulien zu entdecken. Am ersten Abend stürzen wir uns ins Getümmel von Polignano, eine einzigartige Naturschönheit mit historischem Reichtum. Ein malerischer Ort, der durch den Tourismus stark geprägt ist. Mir reichen ein paar Stunden, da dieses Städtchen leider seinen authentischen Charme verloren hat.
Am nächsten Morgen fahren wir auf Landstrassen Richtung Süden zur „weissen Stadt“ Ostuni. Vorbei an zahlreichen Olivenhainen und Weinreben. Typisch für diese Gegend sind die berühmten weissen Rundbauten, die Trulli und die typischen Masserien. Wer nach Apulien reist, sollte unbedingt in einem der traditionellen Gutshöfen, die für nachhaltigen Tourismus restauriert wurden, übernachten.
Angekommen in Ostuni „la città bianca“ mit seiner hervorragend erhaltenen Altstadt und atemberaubenden Weitblick aufs Adriatische Meer, begeben wir uns auf Entdeckungsreise durch das Gewirr von Gassen und Stufen. Der Name die „weisse Stadt“ kommt aus dem Mittelalter. Das Gemäuer wurde weiss gestrichen und diente dazu, die Häuser kühl zu halten und Insekten fernzuhalten. Leider funktioniert das heutzutage mit den Touristenströmen nicht mehr.
Wir fahren weiter nach Cisternino, ein Dörfchen das noch als Geheimtipp gilt. Es liegt auf einem Hügel, mit Weitblick über die Täler und kleinen Hügel Apuliens. Hier ist das Tempo ruhiger. Man schlendert durch die geschichtsträchtigen Gässchen und isst in einer authentischen Trattoria die Spezialität „Bombette“. Und in Cisternino sollte man nicht verpassen nach oben zu schauen.
Schön wars – ein aufregender Tag geht zu Ende!
Matera & Taranto
Nach einer halsbrecherischen Fahrt an den Flughafen Bari, ist meine Kollegin angekommen. Wir starten unseren ersten Abend mit einem ausgiebigen Apéro und einem „Giro“ durch Polignano a Mare.
Am nächsten Morgen fahren wir Richting Matera. Bekannt ist Matera durch die Sassi im centro storico. Das historische Zentrum besteht aus Höhlenwohnungen, die vor über 9.000 Jahren in den weichen Fels gegraben wurden und bis in die 1950er-Jahre bewohnt waren. Die Mischung aus Höhlen, historischen Kirchen und späteren Palästen macht die architektonische Einzigartigkeit von Matera aus.
Mit dem Zug reisen wir weiter in die „Stadt der zwei Meere“ nach Taranto. Hier bleiben wir drei Nächte. In Taranto hat man das Gefühl die Zeit ist in den 1960ern stehen geblieben. Das damals eröffnete Stahlwerk, das grösste und eines der schmutzigsten in Europa, war erst eine grosse Hoffnung für die Bewohner von Taranto und schaffte über 20.000 Arbeitsplätze. Leider war es die Quelle von Umweltverschmutzung und Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung. Und plötzlich ist die Zeit stehen geblieben. Und nie wieder weitergelaufen. Sie steht und steht und steht. Seit Jahrzehnten wird hier nichts mehr instand gehalten und die einst prächtige Architektur des „centro storico“, aus verschiedenen historischen Epochen gleicht heute einer Geisterstadt. Der farblosen Altstadt wird aber durch Street-Art wieder ein wenig Leben eingehaucht. Sie erzählt Geschichten über die Stadt und ihre Verbindung zum Meer. Gleichzeitig ist sie eine Reaktion auf die schwierigen sozialen und ökologischen Bedingungen seit der Stilllegung des Stahlwerks. Obwohl viele Mauern in der Altstadt verfallen sind, ist die Streetart oft ein Zeichen des Widerstands und der Hoffnung.
Eindrücklich zwischen dem neuen, modernen Teil und dem historischen Zentrum liegt das Castello Aragonese. Eine Festung aus dem Jahre 1481, die heute als Stützpunkt der italienischen Marine dient. Voller Vorfreude auf die Amalifiküste, verlassen wir Apulien und fahren mit dem Zug weiter in die Region Campagna nach Salerno.
Salerno in der Region Kampanien und die Amalfiküste
Angekommen in Kampanien, überrascht uns die Offenheit und Freundlichkeit der Salernitani. In Apulien hatten wir nicht so viel Gastfreundschaft erlebt. Salerno hat ein schönes und lebendiges Historisches Zentrum, das wir sofort erkunden. Es ist bekannt für seine verwinkelten Gassen, traditionellen Läden, Bars und Restaurants sowie das Tor zur Amalfiküste. Mit viel Vorfreude auf Pasta „fato in casa“ werden wir mit einen Glas Prosecco begrüsst. Das gehört zur gastfreundlichen Tradition und ist Teil der italienischen Kultur des “dolce vita”. Nach einem feinen Abendessen mit dem obligaten Limoncello, fallen wir ins Bett um früh morgens an die Costa d‘ Amalfi aufzubrechen.
Vorbei an der dramatischen Küstenlandschaft und historischen Bauwerken, wie dem Dom von Amalfi, fahren wir mit dem Boot bis Positano. Die „Göttlichen Küste“, wie sie wegen ihrer natürlichen Schönheit auch genannt wird. Wir stechen sofort links weg und entfliehen den verstopften Gassen von Positano. Der Meeresküste entlang, kommen wir an ein verstecktes Juwel in dem wir genüsslich zu Mittag essen und das „dolce far niente“ geniessen. Nach nur zwei Nächten müssen wir wieder aufbrechen, via Milano nach Hause nach Bern. Die spannende Region Kampanien hat noch viel mehr zu bieten. Auf meiner nächsten Reise nach „bella Italia“ ist die lebendige und geschichtsträchtige Künstlerstadt Neapel, das Hinterland Cilento und die Insel Ischia in Planung. Sì, tornerò 💗


