Besuchtes Land: Ruanda
Datum: Juni 2025
Geschrieben von: Therese und Balz Stump
Eine Reise ins Herzen Afrikas
Wenn man an Afrika denkt, kommen einem oft Savannen, Löwen und Elefanten in den Sinn. Doch tief im Herzen des Kontinents liegt ein kleines, grünes Juwel, das mit einer ganz besonderen Magie lockt: Ruanda. Dieses faszinierende Land bietet nicht nur atemberaubende Landschaften, sondern auch eine der bewegendsten Tierbegegnungen der Welt – das Trekking zu den Berggorillas und Schimpansen. Das Land liegt auf 1.000 bis 4.500 Metern Höhe über dem Meeresspiegel und besteht grösstenteils aus Hochland mit feuchtem, fruchtbarem Klima.
Der Volcanoes Nationalpark im Nordwesten Ruandas ist Heimat der letzten freilebenden Berggorillas (nebst Uganda und dem Kongo). Wir starten frühmorgens und bekommen am gemeinsamen Sammelpunkt unsere Gorillagruppe zugewiesen. Im Park leben mehrere Gorilla-Familien, die jeweils nur von wenigen Besuchern am Tag (höchstens 8 pro Gruppe) für eine Stunde lang beobachtet werden dürfen. Der Guide und die Träger, ehemalige Wilderer, die sich rehabilitiert haben und für die dieser Job eine alternative gute Einnahmequelle ist, begleiten uns durch das schwierige Terrain hinauf zum Nationalpark. Schon der Aufstieg durch Bambuswälder ist ein Erlebnis für sich, körperlich fordernd, aber zutiefst lohnend. Einmal im Nationalpark angekommen, schlagen die Guides den Weg mit Macheten frei, so dicht ist die Vegetation.
Und dann – plötzlich – steht man ihnen gegenüber: einer Gorillafamilie. Die Nähe zu diesen sanften Riesen ist ein Moment, der tief unter die Haut geht – ein stilles, ehrfürchtiges Staunen. Von uns aus dürfen wir uns ihnen nur bis auf sieben Meter nähern, wenn die Gorillas von sich aus näherkommen, was sie in unserem Fall tun – ich bin nur wenige Meter von einem Silberrücken entfernt – müssen wir uns ganz ruhig verhalten und jederzeit die leisen Anweisungen des Guides befolgen. Die Gorillas bewegen sich galant im Busch umher, fressen etwas Blattgrün und scheinen von uns überhaupt keine Notiz zu nehmen.
Immer wieder müssen wir uns neu positionieren, da sich die Gorillas tief in den Wald und den Hang hinunter bewegen. Unsere Stunde vergeht wie im Flug und es heisst Abschied nehmen – ein unglaublich eindrückliches Erlebnis.
Im Süden Ruandas liegt der Nyungwe Forest, einer der ältesten Regenwälder Afrikas. Hier lebt eine grosse Population von Schimpansen, die man mit etwas Glück bei einer geführten Wanderung beobachten kann. Früh am Morgen beginnt das Abenteuer, steil bergab führt der nasse, glitschige und schmale Pfad durch den Wald – begleitet vom Ruf exotischer Vögel und dem Rascheln im Unterholz. Die Schimpansen sind lebhafter als Gorillas, oft in Bewegung, laut und verspielt. Sie durchqueren die Baumwipfel mit beeindruckender Geschwindigkeit. Ihre sozialen Interaktionen zu beobachten, ist wie ein Blick in einen Spiegel – faszinierend und berührend zugleich. Neben dem Besuch der Schimpansen lockt ein Canopy Walk durch die Baumkronen, den auch wir unternehmen – in schwindelnder Höhe umgeben von den exotischen Geräuschen des Dschungels und der Nachmittagssonne – ein tolles Erlebnis!
Aber Ruanda ist mehr als nur Trekking. Neben den Primaten bietet Ruanda schöne grüne Landschaften, nicht umsonst wird es das Land der 1000 Hügel genannt. Während der Fahrt durch das Land kriegt man tiefe Einblicke in das noch sehr ursprüngliche und authentische Leben der Bevölkerung, die hauptsächlich von der Landwirtschaft lebt. Der Kivu-See ist ideal zum Entspannen nach dem Trekking oder für eine gemütliche Kajak-Fahrt zwischen den Inseln des Sees. Kigali, die morderne und saubere Hauptstadt punktet vor allem mit seiner bewegenden Geschichte und besonders das Genozid-Memorial Center regt zum Nachdenken an und zeigt die Stärke des ruandischen Volkes. Die Stadt hält ein interessantes kulturelles Kontrastprogramm zu den Naturschätzen des Landes bereit. Und immer wieder beeindrucken mich die Sauberkeit des Landes, Plastik ist seit 2008 verboten und einmal im Monat, jeweils am letzten Samstag, findet in Ruanda der sogenannte „Umuganda“ statt. Dabei sind alle Bürgerinnen und Bürger verpflichtet, sich an gemeinschaftlichen Reinigungs- und Bauaktionen zu beteiligen – von Müllsammeln bis zum Strassenbau.
Ruanda ist kein gewöhnliches und auch kein günstiges Reiseziel, aber ein Land, welches noch vom Massentourismus verschont ist und wo noch in Einklang mit der Natur gereist werden kann. Es ist eine Reise randvoll mit «Once in a lifetime-Erlebnissen». Wer einmal in die Augen eines Gorillas geschaut hat, wird diesen Moment nie vergessen.


